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04. Januar 2021

Zwei Seiten einer Medaille

Mal hässlich, mal schön – mal strafend, mal beschützend. Die Perchta ist eine besondere Figur innerhalb des Vereins und stellt besondere Anforderungen an ihre Darstellerin Gisela.

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„Nachdem ich zunächst die Auftritte der Brucker Perchten & Rauhnachtsgsindl als Helfer begleitet hatte, wuchs meine Begeisterung von Brauchtum und der Verwandlung der Mitglieder als Perchten und Hexen, wenn sie ihre aufwändig geschnitzten Masken und Gewänder anzogen.“, erinnert sich Gisela Eisenhut, wie in ihr der Wunsch entstand, selbst Maskenträger zu sein. Als dann im darauffolgenden Jahr die Maske der Perchta frei wurde, ergriff sie ihre Chance – aus Gisela sollte Perchta werden.

Es folgte intensives Training von Gang und Gestik bei eingeschränktem Sichtfeld. Wie bei allen Masken hat auch die Perchta nur zwei schmale Schlitze. Hinzu kommt aber als Besonderheit, dass Perchta das hässliche Gesicht der Maske nach oben schieben kann, sodass darunter die Schöne hervorkommt.

„Mein Gesicht wird daher für jeden Auftritt aufwändig gold geschminkt.“, erzählt Gisela. Zur Verwandlung gehören außerdem ein weißes Gewand und ein Fellmantel zusätzlich zur Maske.

Foto: Isabel Bachmann | IsaART

„Mit einer großen Fackel in der Hand präsentierte ich aufgeregt das erste Mal die wunderbare Perchta.“, erinnert sich Gisela an die Premiere vor zwei Jahren. Und fast wäre es direkt schief gegangen: „Da das Sichtfeld unter der Maske sehr stark eingeschränkt ist, sah ich nicht, dass ich zu nahe an die Feuerstelle in der Mitte des Platzes kam und ich beinahe darüber stolperte. Gott sei Dank haben unsere aufmerksamen Helfer das beobachtet und mir sofort aus der Gefahrensituation herausgeholfen.“ Der weitere Auftritt und die Verwandlung der Perchta verliefen nahezu wie geplant, die Zuschauer waren begeistert und Gisela ist seither stolzer Teil dieser tollen Brauchtumsgruppe.

Zwar ist jeder Auftritt einzigartig, aber manche beeindrucken besonders: „Ein ganz besonderes Erlebnis war für mich im letzten Jahr der Perchten-/Krampuslauf in München. Hier trafen sich mehrere Gruppen zu einem gemeinsamen Lauf in der Münchner Innenstadt. Interessant war der Kontakt zu den anderen Gruppen und wie sie sich in Perchten/Krampus und andere Gestalten verwandelten, etwa die verschiedenen Techniken beim Anziehen durch z.T. aufwändiges Schnüren der Felle und Glocken.“, beschreibt Gisela, die natürlich als Perchta dabei war. „Zahlreiche begeisterte Zuschauer säumten den Weg. Immer wieder habe ich die zwei Gesichter der Perchta gezeigt. Die erstaunten Blicke der Besucher haben mich fasziniert. Am Ende des Perchten-/Krampuslaufs war ich sehr erschöpft, aber voller Begeisterung und Hoffnung, diesen Lauf im nächsten Jahr wieder als Perchta mitgehen zu können.“

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