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13. Dezember 2020

Auf der Suche nach Schutz und Licht beim Luzienhäuslschwimmen

Jedes Jahr am 13. Dezember schwimmen in Fürstenfeldbruck hunderte selbst gebastelte kleine Häuser, beleuchtet mit Kerzen oder Teelichtern, die Amper hinab und bitten die heilige Luzia um Schutz vor Hochwasser.

Dieser Luzienbrauch wurde 1949 von einem Schulrektor wiederbelebt, denn gemäß einer Schulchronik aus dem 19. Jahrhundert sollte in Folge eines Hochwassers im Jahr 1785 jedes Jahre an diesem Tag ein Gottesdienst stattfinden und der Fluss durch ein Sühneopfer besänftigt werden.

Der 13. Dezember galt bis ins 16. Jahrhundert als Tag der Wintersonnwende. Diese Nacht war die längste, dunkelste und gefährlichste Nacht des Jahres, in der übernatürliche Mächte große Kräfte hatten und man besser zu Haus bleiben sollte. Erst mit Einführung des heute gültigen Gregorianischen Kalenders rückte die Wintersonnwende auf den 21. Dezember.

In frühchristlicher Zeit wurde dieser Tag der Hl. Luzia zugewiesen, deren Name so viel bedeutet wie „die Lichte, Helle, Leuchtende“. Allerdings vermischten und verwoben sich die Bräuche und Glaubensformen zu einer Doppeldeutigkeit. Denn auch im Volksglauben gab es eine weibliche Lichtbringerin: Frau Perchta (die „Prächtige“). Sie wird in Zusammenhang mit Frau Holle gebracht, die mit einer umherziehenden Geisterschar in den Rauhnächten unterwegs war. Wie bei der Hl. Luzia waren Frau Holle und Perchta im Sommer schön, im Winter zeigten sie das zweite, bedrohliche Gesicht.

Begleitet wird Frau Perchta von den Perchten. Dabei soll jedoch nicht der Winter vertrieben werden, sondern böse Geister und Dämonen. Gleichzeitig werden durch das Tanzen, Stampfen und Lärmen die Kräfte der Natur für das neue Wachstum geweckt. Auch gilt ein (handsamer) Streich mit der Rute und dem Rossschweif als ein Zeichen von Fruchtbarkeit.

Das Perchtenbrauchtum ist vielfältig. Es zeigt die Urangst der dunklen Jahreszeit und lehrt, dass der Jahreszyklus seinen Tiefpunkt überschritten hat und das Wechselspiel zwischen Licht und Schatten, Gut und Böse, Feuer und Wasser, von Neuem beginnt

Damit schließt sich der Kreis zur Hl. Luzia und den Häuschen auf der Amper.

 

Foto: Richard Huber (CC BY-SA 3.0)

Weiter geht’s mit dem nächsten Beitrag pünktlich zum Beginn der Rauhnächte am 21.12.2020, und das dann täglich bis zum 06.01.2021. Wir sehen uns!